Warum Praxen ablehnen
Wenn eine Praxis sagt, dass sie niemanden aufnimmt, steckt fast immer einer dieser Gründe dahinter. Keiner davon hat mit dir zu tun.
- Die Kartei ist voll. Eine Praxis kann nur so viele Menschen betreuen, wie sie an einem Tag durch die Sprechstunde bekommt. Ist diese Zahl erreicht, ist sie erreicht.
- Es fehlt Personal. Nicht nur Ärztinnen und Ärzte, sondern vor allem medizinische Fachangestellte. Ohne Empfang und Labor läuft keine Sprechstunde.
- Ärztemangel in der Region. In vielen ländlichen Gegenden und in einzelnen Stadtteilen sind Praxen nicht nachbesetzt worden, als jemand in Rente ging. Die verbliebenen tragen die Last.
- Bestandspatienten haben Vorrang. Wer schon lange dort ist, soll weiter versorgt werden. Neue Menschen aufzunehmen ginge zu deren Lasten.
Die Person am Empfang, die dir absagt, hat diesen Satz an dem Tag wahrscheinlich schon zehnmal gesagt. Sie kennt dich nicht und bewertet dich nicht. Sie gibt eine Auskunft weiter, die längst feststand, bevor du angerufen hast.
Acht Absagen sind kein Urteil über dich. Sie sind eine Aussage über die Versorgungslage in deinem Umkreis.
„Wir nehmen keine neuen Patienten auf“ heißt nicht immer nein
Der Satz ist eine Standardformel. Dahinter steht manchmal ein hartes Nein und manchmal ein „gerade nicht“. Unterscheiden kannst du das nur, wenn du eine zweite Frage stellst.
„Ändert sich das zum Quartalswechsel?“
„Führen Sie eine Warteliste, auf die ich könnte?“
„Machen Sie eine Ausnahme, wenn jemand direkt hier in der Nähe wohnt?“
„Kommt bei Ihnen demnächst jemand Neues ins Team?“
Was eine Zusage auf die Warteliste tatsächlich wert ist, steht in einem eigenen Artikel. Kurz gesagt: erst nachfragen macht sie überprüfbar.
Besonders die letzte Frage lohnt sich. Kommt eine neue Ärztin oder ein neuer Arzt in eine bestehende Praxis, wird dort eine eigene Kartei aufgebaut, und die ist am Anfang leer. Dasselbe gilt, wenn eine Praxis übergeben wird. Diese Fenster sind kurz und stehen nirgendwo im Internet.
Der Reihe nach: was tatsächlich hilft
- 1Die Arztsuche deiner Kassenärztlichen Vereinigung nutzen. Jedes Bundesland hat eine. Die Liste ist vollständiger als das, was bei Google auf der ersten Seite auftaucht, und enthält auch Praxen ohne eigene Website.
- 2Die eigene Krankenkasse fragen. Viele Kassen haben eine Arztsuche und einen Service, der bei der Vermittlung unterstützt. Das kostet nichts und wird selten genutzt.
- 3Gemeinschaftspraxen und Versorgungszentren mitdenken. Größere Einheiten haben oft mehr Spielraum als eine Einzelpraxis, weil sich mehrere Behandelnde die Kartei teilen.
- 4Den Radius ehrlich weiten. Zwei Orte weiter ist häufig freier als die Innenstadt. Entscheidend ist nicht die Entfernung auf der Karte, sondern ob du da hinkommst, wenn du dich schlecht fühlst.
- 5Neu eröffnete Praxen suchen. Wer gerade aufmacht, sucht Patienten statt sie abzuweisen. Lokale Nachrichten und die Aushänge in Apotheken sind dafür oft schneller als Suchmaschinen.
Fünf Wege, und jeder davon endet an derselben Stelle: Du musst die Praxen anrufen. Die Liste sagt dir, wo du suchst. Wählen musst du trotzdem selbst.
Es sei denn, du gibst die Runde ab. Ich stelle die Liste aus dem Verzeichnis der Kassenärztlichen Vereinigung zusammen, telefoniere die Praxen in deinem Umkreis in deinem Namen durch und frage bei jeder nach Kapazität, Warteliste und dem nächsten Quartal. Wie das läuft, steht auf der Seite zur Praxissuche.
Was du am Telefon sagst, damit es besser läuft
Am Empfang zählt eine einzige Frage: Passt du in die Kapazität. Wenn dir schon der Einstieg schwerfällt, helfen vorformulierte Sätze für andere Anrufe beim Gefühl dafür. Alles andere ist für dieses Gespräch nicht wichtig.
So aufgebaut
„Guten Tag, mein Name ist [Name]. Ich wohne in [Ort] und suche eine Hausarztpraxis. Ich bin [gesetzlich oder privat] versichert. Nehmen Sie zurzeit neue Patienten auf?“
Wenn nein: „Verstehe. Ändert sich das zum Quartalswechsel, oder führen Sie eine Warteliste?“
Zwei Dinge helfen dabei mehr, als man denkt. Sag früh, dass du in der Nähe wohnst, denn viele Praxen nehmen bevorzugt Menschen aus ihrem direkten Umfeld auf. Und sag, dass du keine akuten Beschwerden hast, sondern eine Praxis für die Zukunft suchst. Das nimmt Druck aus dem Gespräch, weil niemand sofort einen Termin freischaufeln muss.
Was du weglassen kannst: deine Krankengeschichte. Am Empfang wird sie nicht gebraucht und macht das Gespräch nur länger und schwerer.
Und falls du beim Lesen denkst, dass du diesen Satz nie über die Lippen bringst: Dann sag ihn ich. Du schreibst mir die Praxis, ich rufe an. Ich frage nicht warum.
Wenn wirklich nichts geht
Bist du gerade erst zugezogen, lohnt sich zusätzlich die Reihenfolge für den Neustart am neuen Ort.
Dann ist die Bezirksstelle deiner Kassenärztlichen Vereinigung die richtige Adresse. Sie kennt die Versorgungslage vor Ort besser als jede Suchmaschine und weiß, wo es tatsächlich noch Kapazität gibt.
Zur Einordnung, ohne dass das eine rechtliche Auskunft sein soll: Es gibt keinen allgemeinen Anspruch darauf, von einer bestimmten Praxis als Patient aufgenommen zu werden. In Notfällen wird immer behandelt. Wenn du dazu Genaueres wissen willst, sind deine Krankenkasse und die Kassenärztliche Vereinigung die Stellen, die dir das verbindlich sagen können.
Wenn das Durchtelefonieren das Problem ist
Der ehrliche Teil dieser Suche ist: Sie funktioniert über Menge. Drei Anrufe reichen selten, zwanzig sind realistisch. Und jede Absage macht den nächsten Anruf ein Stück schwerer, weil das Nein sich anfühlt wie eine Bewertung, auch wenn es keine ist.
Deswegen brechen die meisten nicht nach dem zwanzigsten Anruf ab, sondern nach dem fünften.
Wenn genau diese Runde das Problem ist: Ich telefoniere die Praxen in deinem Umkreis durch, frage bei jeder nach Kapazität und Warteliste und bleibe drei Monate dran. Am Ende weißt du, wo du stehst. Wie das läuft, steht auf der Seite zur Praxissuche.