Darfst du einfach wechseln?

Ja. Gesetzlich Versicherte wählen ihre Praxis frei und können jederzeit wechseln, ohne einen Grund zu nennen.

Es gibt kein Register, in dem du bei einer Hausarztpraxis eingetragen bist. Und deshalb gibt es auch keine Abmeldung. Du gehst ab dem nächsten Mal einfach woanders hin.

Eine Ausnahme gibt es. Wer bei seiner Kasse in die hausarztzentrierte Versorgung eingeschrieben ist, hat sich für einen bestimmten Zeitraum an eine Praxis gebunden. Ob das bei dir zutrifft, weiß deine Krankenkasse, und verbindlich sagt es dir auch nur die.

Auch mitten im Quartal ist ein Wechsel möglich. Manche Praxen bitten darum, bis zum Quartalswechsel zu warten, weil die Abrechnung dann einfacher ist. Verpflichtet bist du dazu nicht.

Die Reihenfolge, die dir Ärger erspart

Der häufigste Fehler ist, zuerst in der alten Praxis Bescheid zu geben und danach eine neue zu suchen. Dann stehst du wochenlang ohne Hausarzt da, und genau in der Zeit brauchst du eine Krankmeldung oder ein Rezept. In vielen Regionen dauert es Wochen, bis eine Praxis überhaupt zusagt. Deshalb gilt: Der Wechsel ist erst dann ein Wechsel, wenn die neue Praxis dich aufgenommen hat. Bis dahin bleibst du in der alten Praxis Patient, und das kostet dich nichts. Es gibt keine Lücke, solange du sie nicht selbst aufreißt.

Was mit deinen Unterlagen passiert

Du hast Anspruch darauf, deine Patientenakte einzusehen und eine Kopie zu erhalten. Die Praxis darf dafür die Kopierkosten verlangen, die Herausgabe aber nicht verweigern. Was dir zusteht, erklärt das Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums.

Der einfachere Weg ist aber der übliche: Die neue Praxis fordert die Unterlagen mit deiner Einwilligung selbst an. Du unterschreibst dort ein Blatt und musst sonst nichts tun.

Mitnehmen solltest du trotzdem, was du zu Hause hast: Impfpass, Medikamentenliste, Befunde von Fachärzten, Allergiepass. Was du dabei hast, muss niemand anfordern.

Wechseln, ohne ein Gespräch zu führen

Das ist der Teil, an dem die meisten hängen bleiben. Und er ist der einfachste: Du sagst gar nichts.

Niemand ruft dich an und fragt, warum du nicht mehr kommst. Praxen führen keine Liste über Leute, die nicht mehr erscheinen. Das unangenehme Gespräch, vor dem du dich drückst, findet in deinem Kopf statt und nirgendwo sonst.

Wenn du trotzdem etwas sagen willst, weil dir das lieber ist, reichen drei Sätze.

Wenn du etwas sagen willst

„Guten Tag, ich bin [Name], geboren am [Datum]. Ich wechsle die Praxis und wollte kurz Bescheid geben. Meine Unterlagen fordert die neue Praxis bei Ihnen an. Danke für die Behandlung bisher."

Falls nachgefragt wird: „Es passt für mich einfach nicht mehr." Mehr braucht niemand.

Kein Grund, keine Rechtfertigung, keine Diskussion. Wenn dich schon der Gedanke stresst, dass jemand nachfragt, passt dazu mein Artikel über Nein sagen am Telefon.

Wenn keine neue Praxis dich aufnimmt

Dann liegt das Problem nicht beim Wechsel, sondern bei der Suche. Und die ist in vielen Regionen der schwierigste Teil.

Drei Anrufe reichen selten, zwanzig sind realistisch, und jede Absage macht den nächsten Anruf ein Stück schwerer. Was dahintersteckt und was hilft, steht in meinem Artikel Kein Hausarzt nimmt neue Patienten auf. Wer dabei mit Absagen kämpft, findet auch in dem Text über die Warteliste die nächsten Schritte.

Solange du keine neue Praxis hast, würde ich mit dem Wechsel warten. Wenn du das Suchen abgeben willst: Ich telefoniere die Praxen in deinem Umkreis ab und frage bei jeder nach Kapazität und Warteliste. Wie das läuft, steht auf der Seite zur Praxissuche.