Hände halten ein Smartphone, Person sitzend

Kurz gesagt

Der Einwand gegen einen Telefonservice ist fachlich begründet: Bei einer Angststörung hält Vermeidung die Angst aufrecht, und Exposition ist das am besten belegte Gegenmittel. Er greift trotzdem nicht bei jedem. Exposition wirkt geplant und dosiert, ein Anruf im Alltag ist keins von beidem. Nicht jeder abgegebene Anruf kommt aus Angst. Und die ehrliche Alternative ist meistens nicht der eigene Anruf, sondern gar kein Anruf. Was ich mache, ist keine Behandlung und ersetzt keine Therapie. Wer gerade in Behandlung ist, bespricht das besser vorher dort. Und wer den Anruf selbst machen will, findet hier ein kostenloses Skript zum Ablesen.

Position

Macht Abgeben die Angst nicht schlimmer?
Die ehrliche Antwort ist: manchmal.

Von Danny Thiel · · 7 Min. Lesezeit
Der Einwand Was stimmt Wo er nicht greift Was ich nicht behaupte Wofür ich da bin

Wenn ich erzähle, was ich mache, kommt fast immer dieselbe Rückfrage. Aber nicht von den Leuten, die mir Anrufe geben. Die fragen das nie. Sie kommt von allen anderen.

Ob ich damit nicht das Gegenteil erreiche. Ob ich Menschen nicht etwas abnehme, das sie eigentlich lernen müssten. Ob ich eine Krücke verkaufe, an der sich jemand festhält, statt laufen zu lernen.

Die Frage ist berechtigt. Und sie verdient eine ehrliche Antwort, keinen Werbetext.

Der Einwand, in seiner stärksten Form

Angst funktioniert nach einem ziemlich einfachen Muster. Du weichst aus. Die Anspannung fällt sofort ab. Dein Kopf merkt sich, dass Ausweichen funktioniert hat. Beim nächsten Mal ist die Schwelle ein Stück höher.

So wächst Angst, ohne dass jemals etwas Schlimmes passiert wäre. Sie wächst gerade deshalb, weil nichts passiert ist. Du hast nie erlebt, dass es gutgeht, also bleibt die Warnung stehen.

Das wirksamste Gegenmittel ist das Gegenteil. Sich der Situation aussetzen, oft genug, bis der Körper lernt, dass sie ihn nicht umbringt. In der Psychotherapie heißt das Exposition, und bei Angststörungen ist es das am besten untersuchte Verfahren, das es gibt.

Wer diesen Mechanismus kennt, muss das, was ich mache, kritisch sehen. Ich nehme jemandem genau die Situation ab, in der er die Erfahrung machen könnte, dass es gutgeht. Der Einwand ist nicht albern. Er steht im Lehrbuch.

Was daran stimmt

Der Teil, den ich nicht kleinreden will: Wenn du eine Angststörung hast, die gerade behandelt wird, und in dieser Behandlung geht es darum, dass du Telefonate wieder führst, dann kann es dir im Weg stehen, wenn du sie alle bei mir abgibst. Dann bin ich nicht die Abkürzung, sondern der Umweg.

Das schreibe ich hierhin, weil es sonst niemand hinschreibt, der dir etwas verkaufen will. Telefonangst geht nicht davon weg, dass jemand anderes anruft. Das habe ich nie behauptet und fange jetzt nicht damit an.

Vier Stellen, an denen der Einwand nicht greift

Er beschreibt einen echten Mechanismus. Er beschreibt nur nicht jeden, der mir schreibt.

1. Exposition ist geplant. Der Alltag ist es nicht.
Exposition wirkt, wenn sie vorbereitet ist, wenn sie dosiert ist, wenn du sie freiwillig eingehst und wenn danach jemand mit dir draufschaut. Ein Anruf bei einer Hotline um neun Uhr morgens erfüllt keine einzige dieser Bedingungen. Du weißt nicht, wer rangeht, wie lange die Schleife läuft, welche Rückfrage kommt, auf die du keine Antwort hast. Eine Konfrontation ohne Rahmen ist keine Übung. Sie kann genauso gut bestätigen, dass so etwas schiefgeht. Mehr dazu steht in Window of Tolerance.

2. Nicht jeder Anruf, den ich übernehme, kommt aus Angst.
Autistische Menschen verarbeiten Telefonate anders, und das ist keine Angst, die sich wegübt. Wer seit zwei Jahren Deutsch spricht, hat kein Vermeidungsproblem, sondern eine Sprachhürde, und die verschwindet nicht dadurch, dass man sie am Telefon durchsteht. Bei ADHS scheitert der Anruf oft nicht an der Angst davor, sondern daran, dass er ausgerechnet dann nicht im Kopf ist, wenn die Praxis offen hat.

3. Die Alternative ist selten der eigene Anruf.
Wenn mir jemand einen Anruf gibt, ist die Frage nicht, ob er ihn sonst selbst geführt hätte. Die ehrliche Alternative lautet in den meisten Fällen: gar nicht. Der Termin wird nicht gemacht. Die Kündigung läuft ins nächste Jahr. Der Rückruf liegt seit drei Monaten und wird mit jeder Woche schwerer, wie in Anrufe verdrängen beschrieben. Gemessen an einem Anruf, den du selbst führst, ist Abgeben der schwächere Weg. Gemessen an gar nichts ist es der Termin, den du sonst nicht hättest.

4. Behandlung dauert. Der Termin wartet nicht.
Zwischen der ersten Sprechstunde und dem Beginn einer Psychotherapie liegen in Deutschland im Schnitt mehrere Monate, in manchen Regionen deutlich länger. Wie sich diese Zeit verkürzen lässt, steht in Therapieplatz finden. In diesen Monaten läuft der Alltag weiter. Was in der Zwischenzeit liegen bleibt, macht die Ausgangslage für die Behandlung nicht besser.

Was ich ausdrücklich nicht behaupte

Ich bin kein Therapeut. Was ich mache, ist keine Behandlung, und ich sage nicht zu, dass es dir damit besser geht. Ein abgegebener Anruf ist ein erledigter Anruf. Das ist das ganze Versprechen.

Wenn Telefonate nur ein Teil von etwas Größerem sind, wenn Post ungeöffnet liegt, Nachrichten unbeantwortet bleiben, Termine verstreichen, dann ist das kein Telefonproblem. Dann bin ich nicht die Antwort darauf. Soziale Angst im Alltag beschreibt, wie sich das anfühlt, und der Weg zu jemandem, der fachlich damit arbeitet, ist in dem Fall der richtige.

Und wenn du gerade in Behandlung bist und dort an genau solchen Situationen gearbeitet wird: Sprich vorher mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten, bevor du mir Anrufe gibst. Sie kennen deinen Fall. Ich kenne ihn nicht.

Und wenn du den Anruf lieber selbst machst: Dafür liegt hier ein Anruf-Skript zum Ablesen, Satz für Satz, ohne Anmeldung und ohne dass du mir schreiben musst. In Wie fange ich ein Telefonat an steht, warum du nur die ersten zwei Sätze brauchst, und in Was soll ich am Telefon sagen stehen die Worte für die häufigsten Anrufe. Mir ist lieber, du rufst selbst an und es klappt, als dass du mich brauchst.

Wofür ich dann da bin

Für den Anruf, der seit drei Wochen liegt und in dieser Zeit nur schwerer geworden ist. Für die Woche, in der nichts mehr geht und trotzdem alles weiterläuft. Für die Sachen, die vom Tisch müssen, während du an anderer Stelle an dir arbeitest.

Niemand muss alles selbst können, damit es zählt. Steuern gibt man ab, Umzüge gibt man ab, und niemand fragt dabei, ob man sich damit etwas verbaut. Beim Telefonieren ist das plötzlich eine Charakterfrage. Ich finde, das ist sie nicht.

Einen Anruf abzugeben ist keine Entscheidung gegen irgendwas. Es ist eine Entscheidung darüber, was diese Woche vom Tisch kommt.

Sag mir, wen ich anrufen soll. Den Rest mach ich.

Ich bin Danny. Ich ruf für dich an, ohne Fragen, ohne Urteile. Du schreibst mir per WhatsApp, worum es geht. Ich erledige das innerhalb von 48 Stunden.

Ich frage nicht, warum du nicht selbst anrufst. Am Telefon erwähne ich es auch nicht.

Meinen Anruf abgeben

Kostet nichts und verpflichtet zu nichts, ich sag dir erst, ob ich deinen Anruf übernehmen kann.

Noch unsicher? Schreib mir einfach, ich antworte persönlich.

Der Einwand verdient eine Antwort, keine Abwehr. Bei manchen trifft er zu, bei vielen nicht, und die Entscheidung darüber steht dir zu und nicht mir. Was ich anbiete, ist schmal: Der Anruf ist erledigt, und du hast ihn nicht geführt. Was du daraus machst, ist deine Sache.

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Häufige Fragen

Verstärkt ein Telefonservice Vermeidungsverhalten?

Das kann er, und dieser Einwand ist fachlich begründet. Bei einer Angststörung hält Vermeidung die Angst aufrecht, und Exposition ist das am besten belegte Gegenmittel. Wer in Behandlung ist und dort gezielt an Telefonaten arbeitet, sollte Anrufe nicht dauerhaft abgeben, ohne das vorher zu besprechen. Der Einwand greift nur nicht bei jedem: Nicht jeder abgegebene Anruf kommt aus einer Angststörung, und die realistische Alternative ist häufig nicht der eigene Anruf, sondern gar kein Anruf.

Ist Abgeben dasselbe wie Vermeiden?

Nicht ganz. Vermeiden heißt, die Sache bleibt offen und wächst weiter. Abgeben heißt, die Sache ist erledigt, nur nicht von dir. Das ändert nichts an der Angst vor dem Telefonieren, aber es ändert, was noch auf deiner Liste steht. Für den Kopf ist das ein Unterschied, weil die offene Schleife geschlossen wird.

Ist ein Anruf im Alltag nicht eine gute Gelegenheit zum Üben?

Exposition wirkt, wenn sie vorbereitet, dosiert und freiwillig ist und wenn danach ausgewertet wird. Ein Anruf bei einer Hotline mit unbekannter Wartezeit und unvorhersehbaren Rückfragen erfüllt keine dieser Bedingungen. Eine Konfrontation ohne Rahmen ist keine Übung. Sie kann auch bestätigen, dass Telefonate schiefgehen.

Ersetzt ein Telefonservice eine Therapie?

Nein. Ich bin kein Therapeut, und einen Anruf zu übernehmen ist keine Behandlung. Ein abgegebener Anruf ist ein erledigter Anruf, mehr sage ich nicht zu. Wenn Telefonate nur ein Teil von etwas Größerem sind, ist der Weg zu jemandem, der fachlich damit arbeitet, der richtige.

Was, wenn ich den Anruf lieber selbst machen will?

Dann findest du auf dieser Website ein kostenloses Anruf-Skript zum Ablesen, Satz für Satz, für Arzttermin, Kündigung oder Reklamation. Ohne Anmeldung und ohne dass du mir schreiben musst. Dazu Anleitungen, wie du mit den ersten zwei Sätzen anfängst und dich langsam steigerst. Mir ist lieber, du rufst selbst an und es klappt, als dass du mich brauchst.

Was, wenn ich gerade in Therapie bin?

Dann sprich mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten, bevor du mir Anrufe gibst, besonders wenn ihr gezielt an solchen Situationen arbeitet. Sie kennen deinen Fall, ich kenne ihn nicht. Es kann trotzdem sinnvoll sein, einzelne Sachen abzugeben, damit Kapazität für die Arbeit bleibt, die wirklich ansteht. Diese Entscheidung gehört aber in die Behandlung und nicht auf meine Website.

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