Warum ein Arzttermin so viele Hürden auf einmal hat
Ein Arzttermin ist eine Kette aus Situationen, die sich schwer planen lassen. Jede für sich ist machbar. Zusammen kosten sie oft mehr Kraft, als der Termin selbst dauert.
Der Anruf ohne Gesicht. Das Wartezimmer mit hellem Licht, Gesprächen und Telefonklingeln.
Das Aufrufen, bei dem du nicht weißt, wann es kommt. Und dann ein Gespräch, in dem jemand schnell fragt und schon tippt, während du noch überlegst.
Wer das kennt, sagt Termine nicht aus Nachlässigkeit ab. Sondern weil die Rechnung schon vorher nicht aufgeht.
Schritt 1: den Termin machen, ohne am Telefon festzuhängen
Der erste Engpass ist oft nicht die Praxis, sondern das Telefon. Bevor du anrufst, lohnt sich ein Blick auf die Website: Viele Praxen vergeben Termine inzwischen online oder per Mail.
Wenn nur das Telefon geht: Frag direkt nach einem Termin am Anfang oder am Ende der Sprechstunde. Dann ist das Wartezimmer leerer und die Wartezeit kürzer. Genau das empfehlen auch Leitfäden zur autismusgerechten Versorgung.
Schreib dir den Einstieg wortwörtlich auf. Wie so ein Zettel aussieht, zeigt das kostenlose Anruf-Skript. Und falls die Praxis dauerhaft besetzt ist: Was du tun kannst, wenn die Praxis nicht ans Telefon geht.
Schritt 2: der Praxis vorher Bescheid geben
Du musst niemandem eine Diagnose erklären. Aber du darfst sagen, was dir hilft. Eine kurze Mail vorab oder ein Zettel an der Anmeldung reicht.
Zum Beispiel: dass du lieber draußen wartest und kurz Bescheid bekommen möchtest, wenn du dran bist. Dass du Informationen gern schriftlich hättest. Dass du vor einer Untersuchung gesagt bekommen möchtest, was als Nächstes passiert.
Viele Praxisteams sind darauf nicht vorbereitet, aber die meisten gehen gut damit um, wenn sie es vorher wissen. Eine Bitte ist keine Zumutung. Der Leitfaden „Endlich klappt der Arztbesuch“ richtet sich übrigens ausdrücklich auch ans Praxispersonal: Infos beim Bundesverband autismus Deutschland.
Schritt 3: das Gespräch im Sprechzimmer
Im Sprechzimmer ist die Zeit knapp, und die wichtigsten Punkte gehen unter Druck am leichtesten verloren. Ein Zettel hilft mehr als jede Vorbereitung im Kopf.
Schreib auf, was du beobachtet hast, seit wann, wie oft und was es schlimmer oder besser macht. Dazu die Fragen, die du stellen willst. Den Zettel kannst du einfach hinlegen und sagen: Ich habe es aufgeschrieben, damit nichts fehlt.
Wenn dir etwas zu schnell geht: „Können Sie das bitte noch einmal langsam sagen?“ oder „Kann ich das schriftlich bekommen?“ Beides sind ganz normale Sätze in einer Praxis.
Schritt 4: nach dem Termin
Nach dem Termin ist oft vor dem nächsten Anruf: Ergebnis nachfragen, Folgetermin ausmachen, Rezept oder Überweisung klären. Genau diese kleinen Anrufe bleiben am häufigsten liegen.
Frag deshalb schon im Sprechzimmer, wie du das Ergebnis bekommst und ob der Folgetermin direkt an der Anmeldung geht. Und plan nach dem Termin Zeit ohne Programm ein. Warum das kein Luxus ist, steht in Soziale Batterie leer.
Wenn der Anruf selbst die größte Hürde ist
Manchmal scheitert der ganze Termin an den ersten zwei Minuten. Dann ist es sinnvoll, genau diesen Teil abzugeben und die Kraft für den Termin selbst aufzuheben.
Das ist keine Schwäche. Termine ausmachen ist eine organisatorische Aufgabe, und organisatorische Aufgaben darf man abgeben.
Warum Telefonate im Autismus-Spektrum überhaupt so viel kosten, steht in Telefonieren mit Autismus. Und wenn eher Angst vor dem Gespräch dahintersteckt, lies Telefonangst: was passiert und was wirklich hilft.