Reizüberflutung: wenn zu viel gleichzeitig reinkommt

Dein Gehirn filtert ständig, welche Reize wichtig sind und welche du ignorieren darfst. Das Brummen des Kühlschranks, das Licht, die offene Mail, das Gespräch nebenan. Normalerweise läuft dieses Filtern im Hintergrund. Du merkst es gar nicht.

Bei Reizüberflutung gelingt dieses Filtern nicht mehr. Zu viele Eindrücke treffen gleichzeitig auf, und dein System kommt mit dem Sortieren nicht hinterher. Alles dringt mit derselben Lautstärke durch. Das fühlt sich an wie ein Rauschen, das immer voller wird.

Irgendwann ist das Fass voll. Dann reicht ein kleiner zusätzlicher Reiz, und es läuft über. Ein klingelndes Telefon kann genau dieser eine Reiz sein.

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Warum ein Anruf bei vollem Fass kippt

Telefonieren sieht von außen klein aus, verlangt aber erstaunlich viel auf einmal. Du musst zuhören, gleichzeitig verstehen, dir merken was du sagen wolltest, sprechen und in Echtzeit reagieren. Vier oder fünf Dinge parallel, ohne Pause.

Wenn dein Fass schon voll ist, ist dafür kein Platz mehr. Der Anruf wird nicht schwer, weil du es nicht könntest, sondern weil die Kapazität gerade woanders gebunden ist. Das Ergebnis ist ein Gefühl von Blockade: Du starrst das klingelnde Handy an und kannst trotzdem nicht rangehen.

Diesen Zustand kennen viele, die nach außen funktionieren und innen längst über der Grenze sind. Mehr dazu steht im Artikel über hochfunktionale Angst.

Reizoffenheit ist keine Schwäche

Manche Nervensysteme sind reizoffener als andere. Das ist bei hochsensiblen Menschen so, oft auch bei ADHS oder im Autismus-Spektrum. Es heißt nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt. Es heißt, dass dein System mehr aufnimmt und entsprechend schneller voll ist.

Das hat auch eine gute Seite: Wer viel wahrnimmt, nimmt oft auch Feines wahr, das andere übersehen. Der Preis ist, dass volle Tage schneller zu vollen Fässern werden. Wenn am Ende gar nichts mehr geht, ist das kein Versagen, sondern ein leerer Akku. Dazu passt der Artikel über die leere soziale Batterie.

Wichtig ist, das eigene Fass zu kennen, statt gegen es anzukämpfen. Denn der Kampf kostet zusätzlich Reize, die du gerade nicht übrig hast.

Was an vollen Tagen hilft

Der erste Schritt ist ehrlich einzuschätzen, wie voll dein Fass gerade ist. Danach richtet sich, was heute geht und was nicht.

Grün: noch Luft

Das Fass ist halb leer. Ein Anruf ist machbar, mach ihn jetzt, solange Platz ist.

Gelb: fast voll

Ein Anruf geht noch, kostet aber den Rest. Lieber vorbereiten, verschieben oder bewusst dafür entscheiden.

Rot: übergelaufen

Ein Anruf ist heute nicht drin. Verschieben oder abgeben, ohne schlechtes Gewissen. Das ist eine Einschätzung, kein Versagen.

Das Grübeln darüber, ob man sich nur anstellt, macht das Fass übrigens noch voller. Wie du da rauskommst, beschreibe ich im Text über Overthinking.

An roten Tagen den Anruf abgeben

An einem roten Tag ist Abgeben die klügste Entscheidung, nicht die schwächste. Du zwingst dich nicht durch ein Gespräch, für das keine Kapazität da ist, und du behältst den Rest deiner Energie für das, was heute noch wichtig ist.

Genau dafür bin ich da. Du gibst mir den Anruf, ich führe ihn, und du musst nicht zuhören, sprechen, denken und reagieren, wenn dein Kopf das gerade nicht hergibt. Wenn dich das Telefonieren generell belastet, lies den Überblick über Telefonangst.

Der Gedanke "das sollte ich doch selbst können" stimmt an guten Tagen vielleicht. An roten Tagen ist er nur ein zusätzlicher Reiz, den du nicht brauchst. Du darfst dein Fass schützen.

Für die Tage, wo der Start einfach nicht kommt: Ich ruf in deinem Namen an. WhatsApp, 48 Stunden, erledigt. erledigbar.de