Das Problem ist die Sprechzeit, nicht der Termin
Die meisten Praxen nehmen Termine nur in einem festen Zeitfenster telefonisch entgegen, und dieses Fenster liegt fast immer morgens. Häufig zwischen 8 und 11 Uhr, manchmal zusätzlich eine Stunde am Nachmittag.
Das ist genau die Zeit, in der du arbeitest. Nicht der Termin selbst ist das Problem, sondern der Anruf, mit dem du ihn bekommst.
Dazu kommt: In diesem Fenster rufen alle an. Die Leitung ist besetzt, du landest in der Warteschleife, legst nach vier Minuten auf, weil die Pause vorbei ist. Am nächsten Morgen dasselbe. Nach drei Anläufen schiebst du es auf nächste Woche, und dann kommt nächste Woche.
Wenn du wissen willst, woran das auf Praxisseite liegt und wann die Leitung realistisch frei ist, steht das in Praxis geht nicht ans Telefon.
Was arbeitsrechtlich gilt, grob gesagt
Der Grundsatz ist einfach: Arzttermine sollen möglichst außerhalb der Arbeitszeit stattfinden. Geht das nicht, kann § 616 BGB greifen. Der besagt, dass du deinen Vergütungsanspruch nicht verlierst, wenn du für eine kurze Zeit ohne eigenes Verschulden an der Arbeit gehindert bist.
Anerkannt ist das zum Beispiel bei akuten Beschwerden, bei einer Blutabnahme, für die du nüchtern sein musst, und dann, wenn die Praxis dir schlicht keinen anderen Termin gibt. Reine Vorsorgeuntersuchungen, die du frei legen kannst, zählen in der Regel nicht dazu.
Ein wichtiger Haken: § 616 BGB kann im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag eingeschränkt oder ganz ausgeschlossen sein. Ein Blick in den eigenen Vertrag lohnt sich deshalb mehr als jede allgemeine Auskunft. Ich bin kein Anwalt, für den Einzelfall ist das der richtige Weg.
Für den Anruf selbst brauchst du das alles ohnehin nicht. Drei Minuten telefonieren ist keine Abwesenheit vom Arbeitsplatz, über die jemand diskutiert. Das Problem ist praktisch, nicht rechtlich: Du sitzt um halb neun in einer Besprechung oder im Kundengespräch.
Fünf Wege, die tatsächlich funktionieren
Was hilft, ist, den Anruf aus dem Vormittagsfenster herauszubekommen. Fünf Möglichkeiten, in der Reihenfolge, in der ich sie probieren würde:
Online buchen. Immer mehr Praxen haben ein Buchungssystem auf der Website. Schau zuerst dort nach, bevor du überhaupt wählst. Das dauert zwei Minuten und erledigt die Sache manchmal komplett.
Nach der Abendsprechstunde fragen. Viele Praxen haben einen Tag in der Woche mit späten Terminen, oft Dienstag oder Donnerstag. Das steht selten prominent auf der Website, aber es gibt sie häufiger als man denkt.
Um Rückruf bitten. Wenn du durchkommst, aber gerade nicht sprechen kannst: Sag, wann du erreichbar bist, und bitte um einen Rückruf in diesem Fenster. Praxen machen das, wenn man konkret wird.
Die erste Minute der Sprechzeit nehmen. Um 8:00 Uhr punktgenau ist die Chance am größten, um 8:20 Uhr sind alle Leitungen belegt. Ein Wecker eine Minute vorher hilft mehr als guter Wille.
Den Quartalswechsel nutzen. Anfang Januar, April, Juli und Oktober ordnen viele Praxen ihre Terminplanung neu. In diesen Tagen werden häufiger Termine frei. Mehr dazu in Warteliste in der Arztpraxis.
Was du dir sparen kannst: mittags anrufen. Da ist in vielen Praxen niemand am Apparat, und du verbrauchst deine Pause für ein Freizeichen.
Was du in den drei Minuten sagst
Wenn du durchkommst, entscheidet der erste Satz über die Länge des Gesprächs. Nenne Namen, Geburtsdatum, Anliegen und deine Zeitfenster in einem Zug, statt auf Rückfragen zu warten.
„Guten Tag, mein Name ist [Name], geboren am [Datum]. Ich bräuchte einen Termin wegen [Anliegen]. Bei mir geht es ab 16 Uhr oder freitags ganztags. Was haben Sie da?"
Das ist kein Trick, das spart nur beiden Seiten Zeit. Ein vollständiges Gerüst für solche Anrufe steht im Anruf-Skript, und was du sagst, wenn dir mittendrin die Worte fehlen, in Was am Telefon sagen.
Deine Rechte als Patient, etwa bei Wartezeiten und Terminvergabe, erklärt das Gesundheitsportal des Bundes unter gesund.bund.de zu Patientenrechten.
Wenn keins der Fenster passt
Manche Arbeitszeiten lassen sich nicht biegen. Schicht, Werkstatt, Pflege, Unterricht, Baustelle. Wer um 8 Uhr an der Maschine steht, kann nicht um 8:01 Uhr in der Warteschleife hängen.
Dann bleibt eine Möglichkeit, die selten jemand nennt: Der Anruf muss nicht von dir kommen. Jemand anderes kann in deinem Namen anrufen, warten, den Termin machen und dir Bescheid geben.