Warum es eilt, obwohl der Termin weit weg aussieht
Eine Praxis mit zweitausend Patienten schließt. Alle zweitausend brauchen eine neue. Die umliegenden Praxen bekommen diese Anrufe in denselben Wochen und machen schnell dicht.
Wer in der ersten Woche anruft, hat deutlich bessere Karten als der, der bis zum letzten Sprechtag wartet. Das klingt hart, ist aber die ehrlichste Auskunft.
Gleichzeitig gilt: Niemand lässt dich im Notfall stehen. Es geht um die reguläre Versorgung, nicht um akute Hilfe.
Deine Unterlagen: was du anfordern solltest
Akten dürfen nicht einfach weg. Üblich ist eine Aufbewahrungsfrist von zehn Jahren nach der Behandlung, in bestimmten Fällen länger. Bei Praxisaufgabe bewahrt die Ärztin die Unterlagen weiter auf, auch ohne Nachfolger.
Du hast Anspruch auf eine Kopie, die erste ist kostenlos. Das Original bleibt bei der Praxis. Üblich sind etwa zwei Wochen Bearbeitungszeit, spätestens nach einem Monat solltest du sie haben.
Für die Anfrage brauchst du: vollständigen Namen, Geburtsdatum, den Behandlungszeitraum und die Angabe, was du brauchst und in welchem Format. Für andere Personen geht das nur mit schriftlicher Vollmacht. Einen guten Überblick gibt die Erklärung zur Datenanfrage nach einer Praxisschließung.
Praktisch wichtig sind vor allem Befunde zu chronischen Erkrankungen, der Medikamentenplan, Impfungen, Allergien und Arztbriefe aus Kliniken. Die elektronische Patientenakte enthält oft nicht alles, besonders ältere Unterlagen fehlen.
Wenn jemand die Praxis übernimmt
Dann hast du Glück, aber zwei Dinge solltest du wissen. Erstens: Die Übernahme heißt nicht automatisch, dass alle Patienten übernommen werden. Frag früh nach, ob du dabei bist.
Zweitens: Der Nachfolger darf deine alte Akte nicht ohne deine Einwilligung einsehen. Üblich ist, dass alte Unterlagen getrennt verwahrt werden, bis du zustimmst. Deine Einwilligung kannst du beim ersten Termin geben, schriftlich ist sie am klarsten.
Wenn du nicht weißt, ob es eine Nachfolge gibt, fragst du bei der Kassenärztlichen Vereinigung deines Bundeslands nach. Die weiß, ob der Sitz ausgeschrieben oder neu besetzt ist.
Die neue Praxis: in welcher Reihenfolge du vorgehst
- 1Liste ziehen. Aus der Arztsuche der Kassenärztlichen Vereinigung, nicht aus der Kartensuche. Dort stehen auch Praxen ohne Website.
- 2Umkreis realistisch festlegen. Nicht, was auf der Karte nah aussieht, sondern wie du hinkommst, wenn es dir schlecht geht.
- 3Anrufen und eine Frage stellen. Nehmen Sie zurzeit neue Patienten auf? Alles Weitere erst bei einem Ja.
- 4Den Grund nennen. Dass deine Praxis schließt, ist eine andere Ausgangslage als ein Wechsel aus Unzufriedenheit. Sag es dazu, manche Praxen behandeln solche Anfragen anders.
- 5Nach der Warteliste fragen, wenn es ein Nein gibt. Und dir notieren, wen du wann gefragt hast.
Mehr zu den Antworten, die du dabei bekommst, steht in Kein Hausarzt nimmt mich auf.
Rezepte, Überweisungen und laufende Behandlungen
Das wird am häufigsten vergessen. Kläre vor dem letzten Sprechtag, wie lange deine Dauermedikamente reichen und ob du noch ein Folgerezept bekommst.
Auch offene Überweisungen, geplante Kontrollen und laufende Therapien gehören besprochen. Wenn eine Überweisung ausgestellt ist, frag, bis wann sie gilt. Mehr dazu in Überweisung nicht eingelöst.
Und wenn eine Lücke entsteht, in der du ohne Praxis bist: In Krank und kein Hausarzt steht, was in dieser Zeit geht.