Warum du zwei Fragen stellen musst, nicht eine
„Nehmen Sie neue Patienten auf?“ ist nur die halbe Miete. Die zweite Frage entscheidet, ob die Praxis zu euch passt: „Machen Sie Hausbesuche, und decken Sie diese Adresse ab?“
Diese zweite Frage wird erstaunlich selten gestellt, und sie spart dir im Zweifel einen Wechsel nach wenigen Monaten. Eine Praxis, die neue Patienten nimmt, aber nicht in den Ort fährt, löst euer Problem nur bis zum ersten schlechten Tag.
Stell deshalb beide Fragen gleich im ersten Gespräch und notier dir die Antwort.
Was beim Hausbesuch tatsächlich gilt
Hausbesuche gehören zu den Pflichten der hausärztlichen Versorgung. Ein Anspruch besteht, wenn der Weg in die Praxis wegen der Erkrankung nicht möglich oder nicht zumutbar ist, zum Beispiel bei Bettlägerigkeit.
Auch neue Patienten haben diesen Anspruch. Eine Praxis darf die Aufnahme nicht davon abhängig machen, dass jemand auf Hausbesuche verzichtet. Das wissen die wenigsten Angehörigen, und es ist ein guter Satz für das Telefonat.
Die Grenze ist der Praxisbereich. Außerhalb davon können Hausbesuche abgelehnt werden, eine feste Kilometergrenze gibt es nicht, maßgeblich sind Siedlungsstruktur und Arztdichte.
Deshalb lohnt die Frage, welchen Bereich eine Praxis abdeckt. Mehr dazu in der Übersicht zu Hausbesuchen durch den Hausarzt.
Für den Notfall gilt davon unabhängig die 112.
Vollmacht und Schweigepflicht: vorher klären
Du darfst für deine Eltern anrufen und Termine machen. Sobald es aber um Befunde, Diagnosen oder Behandlungen geht, steht die Schweigepflicht dazwischen, und zwar auch bei Kindern, Ehepartnern und Pflegenden.
Praktisch heißt das: Eine schriftliche Vollmacht und eine Entbindung von der Schweigepflicht gehören in die Unterlagen, am besten mit Namen der bevollmächtigten Person, Datum und Unterschrift. Für die erste Anmeldung reicht meist eine kurze Vollmacht, später kann eine Vorsorgevollmacht der bessere Weg sein.
Klär das, solange deine Eltern es selbst entscheiden können. Danach wird es aufwendig, und im Zweifel entscheidet ein Gericht über eine Betreuung.
So suchst du, ohne dreißig Mal dasselbe zu fragen
- 1Liste aus der Arztsuche der Kassenärztlichen Vereinigung des Bundeslands ziehen, gefiltert auf Allgemeinmedizin und den Wohnort deiner Eltern. Dort stehen auch Praxen ohne Website.
- 2Von innen nach außen arbeiten. Die nächstgelegene Praxis zuerst, denn beim Hausbesuch zählt die Entfernung doppelt.
- 3Beide Fragen stellen und die Antworten notieren, mit Datum.
- 4Nach der Pflegesituation fragen. Manche Praxen betreuen gezielt Pflegeheime oder Menschen mit Pflegegrad und haben dafür feste Besuchstage.
- 5Nach Vertretung fragen. Wer kommt, wenn die Praxis im Urlaub ist? Bei pflegebedürftigen Menschen ist das eine wichtige Antwort.
Welche Antworten du sonst noch bekommst, steht in Kein Hausarzt nimmt mich auf.
Die Anrufe kommen zu deinen eigenen dazu
Das ist der Teil, über den selten jemand spricht. Die Suche läuft neben deinem Job, neben deinem eigenen Haushalt und neben den Anrufen, die du ohnehin schon für deine Eltern machst.
Praxen sind oft nur vormittags erreichbar, die Leitungen sind besetzt, und nach dem fünften Nein ist der Tag gelaufen. Mehr zu dieser Dauerlast steht in Mental Load.
Die Entscheidung, welche Praxis es wird, bleibt bei euch. Das Abtelefonieren davor ist eine Aufgabe wie jede andere, und die darf jemand anderes machen.