Warum der erste Termin so weit weg liegt
Praxen vergeben Termine nicht nach Reihenfolge, sondern nach Dringlichkeit und Art der Untersuchung. Kontrolltermine landen hinten, akute Fälle vorne. Was du am Telefon hörst, ist der nächste freie Routine-Termin.
Das heißt: Dieselbe Praxis, die dir den Mai nennt, hat für diese Woche noch Plätze, nur nicht für diese Art von Termin. Der Mai ist eine Antwort auf die Frage, die du gestellt hast.
Deshalb lohnt es sich, die Frage anders zu stellen.
Die dringliche Überweisung: der stärkste Hebel
Wenn deine Hausärztin die Überweisung als dringlich kennzeichnet, ändert sich die Einordnung in der Facharztpraxis. In einem Modellprojekt der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland wurden 4.641 Überweisungen ausgewertet: Bei normalen Überweisungen dauerte es im Schnitt dreizehn Tage bis zum Termin, bei dringlichen fünf bis sieben, bei hoher Dringlichkeit knapp vier.
Die Zahlen stammen aus einem regionalen Projekt und sind nicht eins zu eins auf heute und überall übertragbar. Die Richtung ist aber eindeutig, nachzulesen in der Meldung zur dringlichen Überweisung.
Wichtig: Die Dringlichkeit beurteilt die überweisende Praxis, nicht du. Was du tun kannst, ist beschreiben, was sich verändert hat, seit wann es besteht und was dir im Alltag nicht mehr möglich ist. Genau das braucht die Ärztin für ihre Einschätzung.
Die Absagenliste, nach der niemand fragt
Fast jede Praxis hat Absagen. Menschen werden krank, vergessen Termine, verschieben. Diese Plätze werden selten ausgeschrieben, sondern vergeben, und zwar an die Leute, die in einer Liste stehen oder die zufällig anrufen.
Frag ausdrücklich: Nehmen Sie mich für kurzfristig frei werdende Termine auf? Sag dazu, wie schnell du da sein kannst. Wer in zwanzig Minuten vor Ort sein kann, ist für eine Lücke um 14 Uhr interessanter als jemand, der zwei Tage Vorlauf braucht.
Zweiter Hebel in dieselbe Richtung: Frag nach Randzeiten und nach Terminen, die andere ungern nehmen. Früh am Morgen, in den Ferien, direkt nach einem Feiertag.
Was deine Krankenkasse für dich tut
Viele Krankenkassen vermitteln ihren Versicherten Facharzttermine. Der Service ist für dich kostenlos und in den Beiträgen enthalten, wird aber kaum genutzt, weil kaum jemand davon weiß.
Ruf die Nummer auf deiner Versichertenkarte an oder schreib der Kasse über ihre App. Schildere, worum es geht, seit wann, und was die Praxis gesagt hat. Ein Beispiel für so ein Angebot ist die Facharztterminvermittlung einer Krankenkasse.
Was die Kasse nicht kann: dir eine bestimmte Praxis zusichern oder die Wartezeit abschaffen. Was sie oft kann: schneller einen Platz finden als du am Telefon.
Der Anruf selbst, und warum er oft gar nicht passiert
Alle genannten Wege haben eines gemeinsam: Jemand muss anrufen. Oft mehrfach, oft zu Zeiten, in denen du arbeitest, und oft mit der Aussicht auf ein Nein.
Genau daran scheitert es häufiger als an der Terminlage. Der Zettel mit den Nummern liegt zwei Wochen da, und das Problem bleibt gleich groß. Wenn du das kennst, hilft vielleicht Telefonangst: was passiert und was wirklich hilft.
Und falls die Praxis einfach nie rangeht, steht in Praxis geht nicht ans Telefon, was dann noch geht.