Wie die Autismus-Diagnostik bei Erwachsenen abläuft
Eine Autismus-Diagnostik ist kein einzelner Termin, sondern ein Prozess über mehrere Wochen. Sie findet meist in einer Spezialambulanz, einer Uniklinik oder einer spezialisierten Praxis statt.
Typisch sind ein ausführliches Erstgespräch, Fragebögen, eine strukturierte Beobachtung und, wenn möglich, Angaben von Menschen, die dich als Kind kannten. Oft sind das die Eltern. Manche Stellen schicken die Fragebögen vorab, und erst wenn alles vollständig zurück ist, kommst du auf die Liste.
Am Ende steht nicht automatisch die Diagnose Autismus. Es kann auch eine andere Einordnung herauskommen oder keine. Auch das ist ein Ergebnis.
Warum die Wartezeiten so lang sind
Es gibt deutlich mehr Diagnostikstellen für Kinder als für Erwachsene. Gleichzeitig suchen seit einigen Jahren viel mehr Erwachsene eine Abklärung, oft nachdem sie sich in Beschreibungen wiedererkannt haben.
Die Folge siehst du auf den Websites der Ambulanzen: Wartezeiten von eineinhalb bis zwei Jahren, Anmeldungen nur aus dem eigenen Landkreis, Hinweise wie „bis auf Weiteres keine Anmeldungen“. Manche Kliniken bitten sogar ausdrücklich darum, nicht nach der Wartezeit zu fragen.
Wer mehr zum Stand wissen will, findet ihn beim Bundesverband: autismus Deutschland e.V. zur Diagnostik.
Frustrierend ist das allemal. Aussichtslos ist es nicht. Es heißt nur, dass die Reihenfolge wichtig wird.
Vom Verdacht zur Warteliste: die Schritte
Die meisten Wege sehen ungefähr so aus. Je nach Stelle fällt ein Schritt weg, deshalb lohnt sich bei jeder Ambulanz ein Blick auf die Anmeldebedingungen.
1. Mit dem Verdacht zur Hausärztin: Sie stellt die Diagnose nicht selbst, kann aber an eine Fachpraxis überweisen. Eine kurze schriftliche Zusammenfassung mit Beispielen aus deinem Alltag macht das Gespräch leichter.
2. Eine Fachpraxis finden: Die meisten Diagnostikstellen verlangen eine Überweisung von einer Praxis für Psychiatrie und Psychotherapie oder für Neurologie.
Bei manchen meldet dich sogar die Fachpraxis selbst an. Dieser Schritt ist oft der eigentliche Engpass, weil auch diese Praxen voll sind.
3. Diagnostikstellen in deiner Region sammeln: Regionale Autismusverbände, Autismus-Therapiezentren und Unikliniken sind gute Ausgangspunkte. Achte auf das Einzugsgebiet, viele nehmen nur Menschen aus der eigenen Region.
4. Bei mehreren Stellen gleichzeitig anmelden: Das ist erlaubt und wird wegen der Wartezeiten sogar empfohlen. Bekommst du irgendwo einen Termin, sagst du bei den anderen ab.
5. Unterlagen vollständig machen: Fragebögen, Überweisung, eventuell alte Zeugnisse oder Berichte. Unvollständige Unterlagen schicken manche Kliniken einfach zurück, und die Wartezeit beginnt erst später.
Zahlt die Krankenkasse die Diagnostik?
Wenn du gesetzlich versichert bist und die Diagnostik in einer anerkannten Klinik oder Ambulanz stattfindet, übernimmt die Krankenkasse die Kosten. In der Regel braucht es dafür die Überweisung.
Daneben gibt es Stellen, die privat abrechnen und kürzere Wartezeiten haben. Der Bundesverband weist darauf hin, dass Angebote auf Selbstzahlerbasis zunehmend nicht mehr offiziell anerkannt werden. Bevor du selbst zahlst, klär also, wofür du den Befund später brauchst und ob er dort akzeptiert wird.
Wo die meisten hängen bleiben: die Anrufe
Für viele ist nicht die Wartezeit das Schwerste, sondern der Weg dahin. Ambulanzen, die nur an wenigen Vormittagen erreichbar sind.
Fachpraxen, bei denen es dauerhaft besetzt ist. Und jedes Mal dieselbe Frage: Nehmen Sie gerade Anmeldungen an?
Ausgerechnet das, worum es geht, macht genau diese Anrufe oft besonders anstrengend. Warum Telefonate im Autismus-Spektrum anders schwer sind, steht in Telefonieren mit Autismus. Und wenn zusätzlich Angst vor dem Gespräch dazukommt, findest du mehr in Telefonangst: was passiert und was wirklich hilft.
Was hilft: Erst nachlesen, wie die Anmeldung läuft. Viele Ambulanzen nehmen Anmeldungen nur per Post, Mail oder Kontaktformular an.
Dann brauchst du gar keinen Anruf. Und wo doch einer nötig ist, kann ihn jemand anderes führen.
Was ich übernehmen kann und was nicht
Die Suche nach der Fachpraxis für die Überweisung kann ich dir abnehmen. Bei der Praxissuche telefoniere ich die Praxen in deinem Umkreis ab, frage nach Aufnahme, Warteliste und Quartalswechsel und halte fest, was gesagt wurde.
Was ich nicht mache: Diagnosen einordnen, Überweisungen besorgen oder dir sagen, ob du autistisch bist. Ich kenne auch keine Abkürzung auf eine geschlossene Warteliste. Ich telefoniere, frage nach und schreib dir auf, was rauskam.