Warum genau dieser Anruf so schwer ist
Eine Krankmeldung klingt nach der einfachsten Sache der Welt. Du bist krank. Du rufst an. Du sagst dass du nicht kommst. Das war's. Zehn Minuten, dann ist es vorbei.
In der Praxis fühlt es sich anders an. Du liegst im Bett. Der Kopf ist schwer. Und gleichzeitig planst du innerlich das Gespräch: Was sage ich? Wie klinge ich? Werde ich mir geglaubt? Was wenn er fragt wie lange ich ausfalle? Was wenn die Stimme zu gesund klingt?
Der Krankmeldungsanruf ist einer der wenigen Anrufe bei denen man krank ist und trotzdem funktionieren muss. Das ist eine besonders ungnädige Kombination.
Was du wirklich befürchtest
Fast nie geht es um die Krankmeldung selbst. Fast immer geht es um Bewertung. Die Angst, nicht geglaubt zu werden. Die Angst, sich zu verhaspeln. Die Angst, dass man merkt man ist nicht wirklich krank — obwohl man es ist.
Und dann ist da noch die Hierarchie: Man ruft beim Chef an. Bei jemandem der Macht über einen hat. Das macht den Anruf zu mehr als einer Information. Es wird zu einer kleinen Prüfung, die man bestehen muss.
Das ist für Menschen mit Telefonangst oder sozialer Angst eine besonders belastende Situation. Und für Menschen mit ADHS noch einmal mehr — weil der Morgen oft sowieso schon der schwierigste Tagesabschnitt ist.
ADHS macht es noch mal härter
Wer ADHS hat, kennt das: Morgens ist der Kopf am schlechtesten. Der Übergang vom Aufwachen zum Funktionieren braucht Zeit. Und genau in dieser Phase liegt oft der Moment in dem der Arbeitgeber erwartet, dass man anruft.
Dazu kommt die Task Initiation — der Anruf ist eine Aufgabe die in dem Moment keinen Belohnungsimpuls auslöst. Man weiß dass man muss. Man fühlt sich mies. Und trotzdem bleibt das Telefon da liegen.
Das ist kein Versagen. Das ist die Kombination aus Krankheit und ADHS, die genau in diesem Moment zusammenkommt. Wer mehr über ADHS und Telefonieren lesen möchte: hier ist der ganze Artikel dazu.
Muss ich wirklich selbst anrufen?
In den meisten Arbeitsverhältnissen gibt es keine gesetzliche Pflicht, persönlich am Telefon zu sein. Wichtig ist, dass der Arbeitgeber zeitnah informiert wird — nicht wie. Ein Anruf durch jemanden der in deinem Auftrag handelt, ist in vielen Fällen vollkommen in Ordnung.
Das klärt man am besten kurz im Arbeitsvertrag oder im Team-Regelwerk — aber in den meisten Fällen wird einfach erwartet dass jemand anruft, nicht zwingend du persönlich.
Ich gebe mich dabei immer als beauftragter Dritter zu erkennen. Das ist ehrlich, legal, und für Arbeitgeber in der Praxis völlig normal.
Was du heute tun kannst
Option eins: Vorbereitung. Aufschreiben was du sagen willst. Der Satz "Ich bin heute krank und werde nicht kommen können" ist alles was du brauchst. Mehr muss man nicht erklären.
Option zwei: Jemanden schicken. Ein Familienmitglied, ein Freund, oder ein Service wie meiner. Einer ruft an, teilt mit dass du krank bist — fertig. Kein Drama, kein Verhör.
Was hilft wenn man selbst anruft: Den Satz einmal laut sagen bevor man wählt. Nicht üben, nur einmal sagen. "Ich bin heute krank und melde mich ab." Das ist der gesamte Inhalt des Gesprächs. Alles andere — wie lange, warum, was der Arzt sagt — kann man beantworten wenn gefragt wird. Man muss nichts davon vorbereiten.
Option drei, falls die Angst tiefer liegt: Offen mit dem Arbeitgeber reden. Nicht über die Angst selbst — sondern über eine Alternativlösung, zum Beispiel eine Meldung per Nachricht statt Anruf.
Das Thema Telefonangst allgemein — was es ist und woher es kommt — hab ich in diesem Artikel ausführlich beschrieben.
Krank und der Anruf geht nicht? Ich melde dich krank — diskret, in deinem Namen, ohne Fragen. erledigbar.de